18.08.2002 Sonntag Der Einsatz des DLRG-Landesverbandes Bremen an der Elbe

Wie bereits vor fünf Jahren beim Hochwasser an der Oder kam das Hochwasser mitten im Hochsommer, als die Arbeit der DLRG in Bremen sich eigentlich auf den Wasserrettungsdienst an den Badeseen konzentrierte. Zusätzlich war am Sonntag, den 18. August ein "Entenrennen" auf der Weser angekündigt, bei dem die DLRG die Wasserrettung und das "Einfangen" der Enten übernehmen sollte. Am Freitag, den 16. August wurde in Rücksprache mit der Hochwasserkoordinierungsstelle der DLRG in Bad Nenndorf der Wasserrettungszug Bremen auf den Einsatz an der Elbe vorbereitet. 30 Helfer des Landesverbandes machten sich einsatzklar. Kurzfristig wurden die für einen eventuellen Hochwassereinsatz erforderlichen Boote des Bezirks Bremen-Stadt aus allen anderen Einsätzen genommen und ein weiteres Boot aus dem Bezirk Bremerhaven zur schnellen Verfügbarkeit nach Bremen transportiert. Die erforderliche Ausrückzeit konnte so auf drei Stunden reduziert werden. Aus dem Bezirk Bremen Nord waren zwei Rettungstauchtrupps aus Bremen-Stadt ein Rettungstauchtrupp und zwei Wasserrettungstrupps zum Einsatz bereit. Der Bezirk Bremerhaven unterstützte durch die Entsendung von Personal. Bild: Taucher im WasserBereits am Sonntag, den 18. August um 11:47 wurden Teile der Kräfte alarmiert. Drei Tauchtrupps mit drei Fahrzeugen und Booten und insgesamt 12 Mann machten sich kurz nach 14:00 auf den Weg Richtung Torgau. Unter Polizeihilfe erreichten die drei Trupps gegen 22:00 Torgau. Es war nicht mehr möglich, eine Unterkunft für die Einsatzkräfte zu organisieren; die Übernachtung erfolgte in den Fahrzeugen. Am nächsten Morgen wurde um 6:30 die Arbeit aufgenommen. Es galt einen Deich wasserseitig mit Folie zu sichern. Da an dieser Stelle die Strömung der Elbe sehr stark war, wurde es erforderlich, jeden Taucher mit zwei Sicherungsleinen zu sichern. Dank der Unterstützung durch die Bundeswehr konnte auch dies gewährleistet werden. Es wurden ca. 150 m Deich mit Folie "eingepackt". Diese Arbeit konnte um 15:30 beendet werden. Inzwischen war es auch gelungen immerhin eine Turnhalle zum Übernachten zu organisieren. In Bremen wurde, nachdem viele Kameraden erst am Montag die Erlaubnis ihrer Arbeitgeber einholen konnten, ein weiterer Bootstrupp durch den Bezirk Bremen-Stadt bereitgestellt, so dass der Wasserrettungszug Bremen nun komplett war.
Die Kräfte an der Elbe versuchten am nächsten Tag in einem überschwemmten Keller eine abgeschieberte Wasserleitung wieder zu öffnen, was aber nach langen Versuchen durch große Schlammmassen verhindert wurde. Da sich die Lage in Torgau weiter entspannte, wurde der Tauchtrupp aus Bremen-Stadt mittags wieder auf die Heimreise geschickt. Die in Torgau verbliebenen Kameraden sollten bis Mittwoch in Torgau verbleiben und die Deiche wasserseitig überwachen. Nach der Entlassung aller Trupps aus dem Einsatz waren Mittwochabend wieder alle Kräfte in Bremen und konnten die Einsatzbereitschaft wieder herstellen. Es wurde jetzt ein Einsatz in Niedersachsen immer wahrscheinlicher. Am Donnerstag, den 22. August wurde der Wasserrettungszug um 17:30 voralarmiert mit der Bitte einen weiteren Tauchtrupp zusammenzustellen. Mit der Alarmierung sei am nächsten Morgen zu rechnen. Kurzfristig wurde daraufhin ein Bootstrupp aus Bremen-Stadt umbesetzt, so dass ein weiterer Tauchtrupp zur Verfügung stand. Dies war möglich, da drei Kameraden der Ortsgruppe Lilienthal sich sofort bereit erklärten, dabei zu unterstützen. Bereits um 19:40 wurden alle Tauchtrupps alarmiert, mit der Maßgabe sofort nach Lüchow-Dannenberg zu fahren. Gegen 23:00 konnten dann vier Tauchtrupps und ein Führungstrupp in Richtung Lüchow aufbrechen. Größtenteils waren dies dieselben Kameraden, die bereits in Torgau gewesen waren.
Um 3:30 am nächsten Morgen konnten die Einsatzkräfte in der Funkstelle Lüchow in einer Unterkunft der Bereitschaftspolizei Quartier beziehen. Im Vergleich zu den Unterkünften in Torgau war dies geradezu luxuriös. Bereits um 6:00 war die Nacht wieder vorbei. Nach einer Besprechung in der technischen Einsatzleitung in Lüchow wurde der Bremer Zug durch einen Tauchtrupp aus Verden/Otterstedt verstärkt und dann an der Elbe in Schnakenburg (ca. 20 km südlich von Lüchow) zur Deichsicherung eingesetzt. Dort war, wie bereits in Torgau, ein Deichabschnitt von der Wasserseite mit Folie zu sichern. Unterstützt wurden die DLRG-Taucher dabei durch Waffentaucher der Bundeswehr, die durch die DLRG-Taucher in der Taktik der Verlegung der Folie unterwiesen wurden. Der Transport sämtlichen Materials zur Einsatzstelle musste mit Pontonbooten des THW über eine Strecke von ca. drei Kilometern erfolgen. Zwei Tauchtrupps wurden von Schnakenburg nach Pevestorf entsandt um dort, wiederum in Zusammenarbeit mit Waffentauchern, Auswaschungen im Bereich einiger Bäume knapp vor dem Deich zu kontrollieren. Nach Abschluss dieser Arbeiten unterstützen die beiden Trupps in Schnakenburg. Die Rückfahrt von Pevestorf konnte gerade noch erfolgen, bevor die einzige Brücke, die noch nach Pevestorf führte, gesperrt wurde. Wäre dies nicht mehr gelungen, wären die Taucher in Pevestorf eingeschlossen gewesen. Die Arbeiten an dem bedrohten Deich in Schnakenburg konnten dank der sehr guten Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und der Feuerwehr vor Ort um 20:00 abgeschlossen werden.
Auf der Rückfahrt in die Unterkunft wurde bereits ein Einsatzauftrag für den nächsten Tag bekannt gegeben: In einem Vorort von Dannenberg, in Pisselberg, sollte der Deich der Jeetzel gesichert werden. Bild: TaucherAm Samstag wurde dann also wieder mit dem Verlegen von Folie, diesmal am Jeetzeldeich, begonnen. Insgesamt sollten hier über 2000 m Deich durch Folie gesichert werden. Für die Taucher vorteilhafter war an der Jeetzel die sehr geringe Strömung, so dass auf umfangreiche Sicherungsmaßnahmen verzichtet werden konnte. Allerdings wurde schnell der Geruch nach Fäkalien und die Tierwelt des Deiches zu einer sehr lästigen Begleiterscheinung. Um den Tauchern die Möglichkeit zur Reinigung zu geben, wurde durch die Freiwillige Feuerwehr Jameln eine "Taucherdusche und -desinfektion" eingerichtet. Aufgrund der Länge des Deichabschnitts wurde schnell klar, dass die Bremer DLRG-Kräfte die Aufgabe alleine nicht bewältigen konnten. Schnell konnten jedoch die Marinetaucher herangezogen werden, mit denen am Tage zuvor bereits an der Elbe sehr gut zusammengearbeitet wurde. Problematisch war die Versorgung der Tauchstellen mit Sandsäcken. Während die Bundeswehr die abgerutschte Deichstrasse wiederherstellte, wurden die Sandsäcke teilweise per Zug über die "Castor-Bahnstrecke" und dann durch DLRG-Rettungsboote des Wasserrettungszuges Emsland zu den Tauchstellen gebracht. Leider mussten die Taucher oftmals auf Nachschub an Sandsäcken warten, so dass einige unnötige Pausen gemacht werden mussten. Die Arbeiten am Deichabschnitt wurden bis 21:00 fortgesetzt. Danach konnten die DLRG-Kräfte völlig erschöpft in die Unterkunft nach Lüchow zurückkehren.
Da noch einige hundert Meter Deich auf einen Schutz durch Folie warteten, wurde der Einsatz am Sonntag fortgesetzt. Jetzt noch zusätzlich unterstützt durch Taucher der Bereitschaftspolizei gingen die Arbeiten zusehends schneller voran. Im Laufe des Tages konnte dann auch der Nachschub an Sandsäcken verbessert werden, so dass bereits um 17:15 der komplette Abschnitt abgearbeitet war. Völlig unerwartet von den Verantwortlichen konnte so der Einsatz am Jeetzeldeich bereits am Sonntag abgeschlossen werden.
Der erste Trupp der DLRG-Bremen wurde kurz darauf auf den Weg nach Hause geschickt, während die anderen noch eine Nacht in Lüchow verblieben. Kurzfristig wurde durch die restlichen Trupps ein gemeinsames Grillen organisiert. Dazu wurde das Grillgut am Sonntag abend (!) in einem Dannenberger Supermarkt eingekauft. Bild: Begrüssung der DLRG-HelferAm Montag, nach dem wohlverdienten Schlaf, trat der Wasserrettungszug Bremen die Rückreise an. In Bremen wurden die Einsatzkräfte von Staatsrat Dr. von Bruch und vielen DLRG-Mitgliedern empfangen. Er sprach den Helfern den Dank des Bremer Senats aus und würdigte den persönlichen Einsatz jedes einzelnen. Nach einer kleinen Erfrischung ging es jedoch schon wieder weiter, galt es doch die Ausrüstung wieder auf Vordermann zu bringen. Alle Beteiligten werden den Einsatz wohl nicht wieder vergessen. Insbesondere die sehr gute Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und die stets hilfsbereiten Einwohner waren immer wieder Gesprächsstoff.

Kategorie(n)
Einsatz

Von: Björn Haje

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